Arbeiten bei Kälte: So wirkt sich die Temperatur auf die Sicherheit am Arbeitsplatz aus.
Arbeiten unter kalten Bedingungen kann sowohl die Sicherheit als auch den Komfort beeinträchtigen. Sinkende Temperaturen beeinflussen die Leistungsfähigkeit des Körpers, wodurch bestimmte Tätigkeiten erschwert oder weniger präzise ausgeführt werden können. Daher ist es in der kalten Jahreszeit besonders wichtig, auf geeignete Schutzmaßnahmen und ausreichenden Wärmeerhalt zu achten..
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Wie beeinflusst Kälte die menschliche Leistungsfähigkeit während der Arbeit?
Die Exposition gegenüber niedrigen Temperaturen hat verschiedene physiologische Auswirkungen, die die Arbeitsausführung beeinträchtigen können:
- Verminderte Feinmotorik: Kälte führt zu einer geringeren Durchblutung von Händen und Fingern, wodurch die Feinmotorik abnimmt.
- Langsamere Muskelreaktionen: Muskeln arbeiten weniger effizient, wenn die Körpertemperatur sinkt.
- Nachlassende Konzentration: Anhaltende Kälteeinwirkung kann von der eigentlichen Tätigkeit ablenken.
- Erhöhtes Risiko lokaler Unterkühlung: Je nach Dauer und Intensität der Exposition können Kälteschäden entstehen.
Verschiedene Faktoren beschleunigen den Wärmeverlust in kalten Umgebungen
Wind, Regen und Schnee beschleunigen den Wärmeverlust. Dies geschieht durch:
- Konvektion: Wind trägt die Körperwärme schneller ab, wodurch man schneller auskühlt.
- Verdunstung: Feuchtigkeit (Regen oder Schweiß) kühlt schneller ab als trockene Stoffe und entzieht dem Körper zusätzliche Wärme.
- Kontakt mit feuchten Oberflächen: Nasse Kleidung verliert ihre isolierende Wirkung.
Dadurch spielt nicht nur die Temperatur eine Rolle, sondern auch Wetterbedingungen und Luftfeuchtigkeit.
Welche Normen definieren den Schutz vor Kälte und Niederschlag?
In Europa gibt es verschiedene Normen, die festlegen, in welchem Maß Kleidung Schutz vor Regen, Wind und Kälte bietet. Diese Richtlinien sind für unterschiedliche Branchen relevant: vom Bauwesen und der Logistik bis hin zur Lebensmittelindustrie, Pharma, Reinräumen, Kühlhäusern und Distributionszentren.
EN 343 – Schutz gegen Niederschlag und schlechtes Wetter
EN 343 legt die technischen Anforderungen an Kleidung fest, die vor Regen, Schnee, feuchter Luft und Kondensation schützt.
Die Norm bewertet unter anderem:
- Wasserdichtigkeit
- Atmungsaktivität
- Widerstand gegen Wasserdurchdringung unter Druck
Diese Norm ist besonders relevant für Mitarbeiter, die häufig im Freien arbeiten, etwa im Bauwesen, in der Infrastruktur, Logistik und Wartung, aber auch für Beschäftigte, die regelmäßig mit feuchten Materialien oder nassen Umgebungen in Kontakt kommen.
EN 14058 – Schutz gegen mäßige Kälte
EN 14058 bezieht sich auf Situationen, in denen Temperaturen bis knapp über –5 °C sinken können.
Geprüft werden:
- Thermische Isolation
- Luftdurchlässigkeit
- Optionaler Schutz gegen Wind und Wasser
Diese Norm gilt für mäßig kalte Bedingungen, wie beispielsweise:
- Außenarbeiten im Herbst und Winter
- Lagerhallen und Distributionszentren
- Gekühlte Produktionsbereiche in der Lebensmittelverarbeitung
- Pharmazeutische Umgebungen mit kontrollierten Temperaturen
- Kühl- und Gefrierbereiche, in denen Mitarbeiter kurzfristig und wiederholt kalte Zonen betreten
Bei langfristiger Exposition gegenüber extremer Kälte (z. B. Tiefkühlbereiche) sind strengere Lösungen und spezielle Isolierkleidung erforderlich.
Welche Rolle spielt das Schichtprinzip beim Schutz vor niedrigen Temperaturen?
Die Wirksamkeit von Winterkleidung hängt vom Aufbau mehrerer Bekleidungsschichten ab.
Die drei gängigsten Prinzipien sind:
- Basisschicht: Leitet Feuchtigkeit ab, um Auskühlung durch Verdunstung zu vermeiden.
- Isolationsschicht: Speichert ruhende Luft und hält dadurch Wärme zurück.
- Außenschicht: Schützt vor Wind und Niederschlag.
Die Leistungsfähigkeit der Kleidung hängt von Materialwahl, Dicke, Passform und der Kombination dieser Schichten ab.
Welche Materialien werden zum Schutz eingesetzt?
Die Materialwahl hängt von Branche, körperlicher Belastung sowie dem Grad an Kälte oder Feuchtigkeit ab. Häufig verwendete Materialien sind:
- Polyester/Baumwolle und Baumwolle/Polyester: Robuste Mischgewebe mit unterschiedlichen Eigenschaften hinsichtlich Strapazierfähigkeit, Feuchtigkeitstransport und Tragekomfort.
- Inhärente Materialien: Schutzeigenschaften sind in der Faser selbst integriert, beispielsweise bei Kleidung für Reinräume oder antistatische Arbeitsumgebungen.
- Synthetische Isolationsmaterialien (z. B. wattierte Futter): Entwickelt, um bei geringem Gewicht Wärme zu speichern.
Nachfolgend Beispiele für den Materialeinsatz je nach Branche:
Industrie & Workwear
- Robuste Polyester/Baumwoll-Mischgewebe für hohe Abriebfestigkeit
- Wind- und wasserabweisende Außenschichten (Softshell, Ripstop-Polyester)
- Wattierte Futter oder Fleece für zusätzliche Isolation
Lebensmittelverarbeitung & Kühlbereiche
- Polyester-Außenschichten mit feuchtigkeitsabweisender Ausrüstung
- Isolierende Futter für kontrollierte Temperaturzonen
- Materialien mit geringer Feuchtigkeitsaufnahme zur Reduzierung von Wärmeverlust
Pharma, Reinraum & kontrollierte Umgebungen
- Inhärente Materialien mit antistatischen Eigenschaften (ESD)
- Leichte, atmungsaktive Außenschichten zur Minimierung von Temperaturwechseln
- Partikelfreie Stoffe, geeignet für hygienische Umgebungen
Logistik & Distributionszentren
- Softshell und wattierte Jacken für wechselnde Temperaturen
- Strapazierfähige Polyester/Baumwoll-Mischgewebe für intensive Nutzung
- Materialien, die Wärme speichern und gleichzeitig Bewegungsfreiheit ermöglichen
Außendienst, Bau & Wartung
- Wasser- und winddichte Membranen gemäß EN 343
- Atmungsaktive Softshell-Materialien für aktive Tätigkeiten
- Robuste Außenschichten wie Ripstop oder Oxford-Polyester
Warum ist die Passform bei Winterkleidung relevant?
Die Passform beeinflusst sowohl die Isolation als auch die Bewegungsfreiheit:
- Zu enge Kleidung reduziert die isolierende Luftschicht.
- Zu weite Kleidung kann hängen bleiben oder die Isolationswirkung beeinträchtigen.
- Korrekte Länge von Ärmeln und Hosenbeinen verhindert Öffnungen, durch die Kälte eindringen kann.
Eine passende Größe trägt zur Aufrechterhaltung einer stabilen Körpertemperatur bei.
Wann ist zusätzlicher Schutz erforderlich?
Neben der Kleidung spielen weitere Faktoren eine Rolle für sicheres Arbeiten bei Kälte:
- Dauer der Exposition
- Möglichkeiten zum Aufwärmen
- Windstärke
- Feuchtigkeitsbelastung
- Einsatz von Handschuhen, Socken sowie Kopf- und Nackenschutz
Die Gesamtbeurteilung der Sicherheit basiert auf einer Kombination verschiedener Maßnahmen.
Fazit
Kälte hat nachweislich Einfluss auf Arbeitsleistung und Sicherheit. Der Schutz vor Niederschlag (EN 343) und mäßiger Kälte (EN 14058) ist ein wesentlicher Bestandteil der Winterarbeitskleidung. Durch eine durchdachte Schichtkonstruktion, geeignete Materialwahl und eine optimale Passform lässt sich das Risiko von Auskühlung reduzieren, wodurch Mitarbeitende ihre Aufgaben auch unter winterlichen Bedingungen sicher ausführen können.
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